Die große Kleinkunst des Matthias Reuter

„Ich habe es eher mit den kleinen Dingen“, sagte der selbsternannte Kleinkünstler Matthias Reuter am Ende des wieder einmal gut besuchten Kabarettabends von Adler Königshof, der diesmal in der Markuskirche stattfand. Mit diesem Satz beschrieb er sein Programm „Wenn ich groß bin, werd ich Kleinkünstler“ treffend. Denn Reuter ist kein Welterklärer wie Urban Priol, der sich durch die kleinen und großen Ungerechtigkeiten bohrt. Und Reuter ist auch kein Hagen Rether, der am Klavier die Gesellschaft seziert, obwohl er ebenfalls an einem Flügel sitzt. Reuter erzählt Geschichten aus dem Alltag, die unser eins genauso gut hätten passieren können, und zieht sie so ins Absurde, dass man sich in einem Sketch von Didi Hallervordens „Nonstop Nonsens“ wiederzufinden glaubt.

Da ist zum Beispiel die Supermarkt-Kassiererin, die alles kommentieren muss. Einmal erzählt sie die Geschichte von ihrem Nachbarn Siggi, deren Bekannte – die beiden kennen sich passenderweise aus dem Handballverein – deren Cousine die Tochter, die es gewagt hatte, als das gesamte Hochzeitaufgebot schon bestellt war. Was hat sie nun gewagt? Um die Pointe der Geschichte zu erfahren, stellt Reuter extra seine Einkäufe weit auseinander. Aber als die Kassiererin den gesamten Einkauf abkassiert hat, ist die Geschichte immer noch nicht zu Ende erzählt. Dann räumt Reuter das gesamte Verkaufsregal an der Theke weg, ist zwar um neun Duplos, sieben Brillenputztücher, vier Chantrés und drei Jägermeister reicher, aber nicht um die Pointe der Geschichte. Am Morgen geht Reuter wieder in den Supermarkt, weil ihn die Geschichte nicht loslässt, und packt sich den ganzen Wagen voll. Schon von weitem hört er jedoch die Kassiererin klönen: „Ja, die Brillenputztücher sind alle weg. Die hat einer weggekauft, der auch die ganzen Schnapsflaschen weggeräumt hat. Und er hat auch die Einkäufe weit auseinandergestellt. Wenn man Alkoholiker ist, dann hat man auch Probleme mit der Koordination.“ Reuter legt die ganzen Einkäufe zurück in die Regale und geht mit einer unverfänglichen Flasche Mineralwasser an die Kasse, denkt er sich. Aber die Kassiererin fragt: „Und Nachdurst?“

Jeder kennt solche Menschen wie die Kassiererin aus seinem Umfeld. Aber die Geschichten sind so absurd, dass sie nicht wahr sein können, zumal Reuter in seinem Bühnenprogramm ein ganzes Repertoire an solchen Geschichten herauszaubern kann. Am Ende ist Kabarett wie Wurst. Man will nicht wissen, woher sie kommen, nur schmecken sollen sie. Und das tat die große „Kleinkunst“ des Matthias Reuter.

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